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Am 04. Juni wurde die Unterstützung SPD Espelkamp für mich durch eine offizielle Nominierung besiegelt. Dazu hielt ich die nachfolgende Rede.

Meine erste Vorstellung auf dem Stadtparteitag im November ist tatsächlich schon über ein halbes Jahr her und das waren für mich sehr aufregende und erkenntnisreiche Monate, in denen ich viel dazugelernt habe – sowohl in politischer als auch in persönlicher Hinsicht.

…dynamisch, niemals stillstehend, offen für Neues und dennoch traditionsbewusst.

Ein Genosse unter euch hat bei einem Coaching-Workshop Anfang des Jahres meine Lernfähigkeit als eine meiner positiven Eigenschaften herausgestellt. Darüber musste ich kurz nachdenken. Aber ja, genau das bin ich, lernbereit und lernfähig und das will ich auch auf Dauer bleiben: dynamisch, niemals stillstehend, offen für Neues und dennoch traditionsbewusst. Das ist auch mein Wunsch für Espelkamp. Mir ist wichtig, dass wir unsere Stadt mit Weitblick und mit allen gemeinsam zukunftsfähig gestalten. Ich möchte beweisen, dass politische Arbeit jeden angeht und Spaß machen kann und kein Selbstzweck ist und dass es möglich ist, über Parteigrenzen hinweg zusammenzuarbeiten und dass man offen seine Meinung sagen, Fehler zugeben und daraus lernen kann.

Als Bürgermeisterin sehe ich mich in erster Linie als Bindeglied zwischen der Verwaltung, den Ratsmitgliedern, den Bürgerinnen und Bürgern und allen weiteren politischen Akteuren unserer Stadt. Das ist es auch, was mich antreibt, Bürgermeisterin zu werden, weil ich bei der Zusammenarbeit, der Kommunikation und allgemein dem Informationsfluss zwischen allen genannten Gruppen das aktuell größte Defizit unserer Stadt und meine persönliche Stärke sehe. Ich liebe es zu netzwerken, bin offen und neugierig, den Menschen zugewandt und ich lasse andere gerne an meinem Wissen teilhaben. 

Während der Zeit der strengen Kontaktregelungen aufgrund der Corona-Pandemie habe ich meine Wahlkampf-Tätigkeiten ganz bewusst auf ein Minimum reduziert, zumal ich auch beruflich sehr eingespannt gewesen bin. Die freie Zeit, die mir zur Verfügung stand, habe ich genutzt, um mich intensiv in einige der Themen einzuarbeiten, die uns in Espelkamp aktuell bewegen. 

Viele Anregungen hierzu habe ich direkt aus dem Kreis der Bürgerinnen und Bürger erhalten. Ich wurde zu Gesprächen über Straßenanliegerbeiträge, Freizeitmöglichkeiten, bezahlbaren Mietwohnraum, Quartiersentwicklung, Baumpflege, Feuerwehrbereitschaft und die Geschichte Espelkamps eingeladen und habe Post zu den Themen Radfahrwege, schnelles Internet und Aktionen für die Dörfer erhalten. 

Besonders interessant war ein Gespräch mit einem der ersten Mitglieder der 1952 gegründeten Mennoniten-Gemeinde Espelkamp in der John-Gingerich-Straße, das ich nach dem Gottesdienst zum Weltgebetstag Anfang März dieses Jahres geführt habe und in dem es unter anderem um die Parallelgesellschaften in Espelkamp ging.

Ich möchte den Bürgerdialog beleben.

Mit den genannten und auch einigen anderen Themen, habe ich mich auf jeden Fall – mal mehr, mal weniger – gründlich auseinandergesetzt und ich musste immer wieder feststellen, wie schwierig es ist, an wichtige Informationen heranzukommen. Die sind überall versteckt, im Internet, in Zeitungsartikeln, im Ratsinformationssystem der Stadt Espelkamp, aber nirgendwo kann man sich schnell und bequem einen aktuellen Überblick verschaffen. Das werde ich ändern, da ich überzeugt bin, dass eine gute Informationspolitik mit großer Transparenz Vertrauen und mehr Verständnis für politische Entscheidungen und für die Arbeit der Verwaltung schafft. Und davon profitieren alle. Ich möchte den Bürgerdialog beleben. Bürgerversammlungen sollen echte Diskussionsrunden werden, Bürgeranliegen sollen in regelmäßigen Bürgerfragestunden und über ein Online-Portal vorgebracht werden können. 

So fand ich es vorbildlich, wie in den letzten beiden Jahren seitens Politik und Verwaltung hier in Espelkamp mit dem Thema Friedhöfe umgegangen worden ist. Allerdings erst nachdem die Sache mit den Briefen eskaliert ist! Dann wurde endlich auf die Bürgerinnen und Bürger gehört, die jedoch schon lange vorher regelmäßig ihren Unmut kundgetan haben und anscheinend nicht ernst genommen wurden. Aber dann gab es endlich Informationsveranstaltungen für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger und es wurde gemeinsam mit Politik und Verwaltung besprochen, wie es weitergehen soll und danach auch gehandelt. Das ist richtig gut gewesen und so sollte es immer laufen und zwar sobald sich zeigt, dass Gesprächsbedarf da ist.

Nach wie vor sehe ich es als Selbstverständlichkeit an, als Bürgermeisterin stets ein offenes Ohr für die Anregungen, Wünsche und Sorgen der Bürgerinnen und Bürger zu haben. Und dasselbe erwarte ich auch von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung. Hierfür bedarf es einer guten Führung, der Identifikation mit dem gemeinsam entwickelten Leitbild und auch ein wenig Kontrolle, aber eben auch eines offenen Ohrs für die Anregungen, Wünsche und Sorgen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, an Interesse an den Meinungen der Basis und auch hier an Information, Transparenz und Miteinander.

Als Bürgermeisterin bin ich auch Leiterin der Stadtverwaltung und dank meiner langjährigen Berufspraxis und auch meiner Lebenserfahrung wird es mir gelingen, für eine leistungsfähige und bürgerorientierte Verwaltung zu sorgen, mit motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die aktiv an den Prozessen beteiligt werden. 

Die Arbeit der Verwaltung hat genauso wie die kommunalpolitischen Entscheidungen einen großen Einfluss auf unser gesamtes Lebensumfeld und somit unsere eigene Lebensqualität. Und einer meiner Grundsätze ist und bleibt, dass politische Entscheidungen und auch ihre Ausführung umso erfolgreicher sein werden, je besser man alle Meinungen kennt und mit einbezieht.

Denn nur so können wir die aktuellen großen Herausforderungen unserer heutigen so schnelllebigen Zeit gut meistern.

Alles wandelt sich gerade: das Klima, die Gesellschaft, die Wertvorstellungen. Dazu kommt der digitale Wandel und alles beeinflusst sich gegenseitig und ist voneinander abhängig. Diese Themen betreffen jeden einzelnen von uns und die mit ihnen in Zusammenhang stehenden Herausforderungen werden weitreichende Auswirkungen auf die Entwicklung unserer Stadt haben. Darauf müssen wir alle gut vorbereitet sein. Ich sehe eine große Chance darin, dass diese Themen auf großes Interesse in allen gesellschaftlichen Gruppen stoßen und das gilt es zu nutzen, um uns bei generationen- und kulturübergreifenden Projekten, gemeinsamen Bildungs- und Informationsveranstaltungen besser kennenzulernen und auch voneinander zu lernen. So kann es auch gelingen, die unterschiedlichen Wertvorstellungen so zu vereinen, dass sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt nicht weiter gefährden.

Dieses Thema bewegt uns alle, aber aus bestimmten Gründen wird nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen.

Dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in Espelkamp gefährdet ist, ist mir in den letzten Monaten sehr deutlich bewusst geworden. In meinen Gesprächen über Ideen für Espelkamps Zukunft war immer auch die Sorge um das Zusammenleben mit den Mitgliedern der Mennoniten-Brüdergemeinde ein Thema. Dabei ist es nicht so, dass die „weniger gläubigen“ nichts mit den strenggläubigen Bürgerinnen und Bürgern zu tun haben möchten. Ganz im Gegenteil, vielmehr wünschen sie sich, dass ein gemeinsames Leben stattfindet, um einer der schon soweit fortgeschrittenen Abschottung und den damit einhergehenden negativen Folgen für Espelkamp entgegenzuwirken.

Dieses Thema bewegt uns alle, aber aus bestimmten Gründen wird nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen. Ja, es ist ein hochsensibles Thema, insbesondere weil man hier über eine Bevölkerungsgruppe spricht, die anders ist. Wenn wir aber deutlich machen, dass es ja gerade die Abschottung dieser Gruppe ist, die uns missfällt, müssen wir uns über das Thema Diskriminierung und Ausgrenzung doch gar keine Sorgen machen. Unerheblich ist aus meiner Sicht dabei, dass vermutet wird, dass es gerade die Mitglieder der strenggläubigen Gemeinden hier in Espelkamp sind, die mit der AfD sympathisieren. Wenn es so ist, wird sich ein Neuanfang in Sachen Integration auch in dieser Hinsicht sehr positiv für Espelkamp auswirken.

Dieses Thema sollte in meinem Wahlkampf eigentlich keine große Rolle spielen. Mir ist es aber ein großes Anliegen, euch mitzuteilen, dass ich mich auch mit dieser Problematik beschäftigt habe und dass ich diese sehr ernst nehme und offensiv angehen werde. Das wird nicht einfach, aber ich weiß, dass ich dieser Aufgabe dank meiner Offenheit und Neugierde gewachsen bin.

Und ich werde meinem Grundsatz treu bleiben, dass niemals die Belange einzelner Parteien oder einzelner Bevölkerungsgruppen im Fokus stehen dürfen, sondern dass es immer darum gehen muss, das Beste für alle Espelkamper Bürgerinnen und Bürger zu erreichen.

Und hierfür bitte ich um euer Vertrauen und eure Zustimmung zu meiner Nominierung als Bürgermeisterkandidatin für unsere Stadt. Ich danke euch!

Nach dieser Rede wurde ich mit 97% der Stimmen der anwesenden SPD-Mitglieder als Bürgermeisterkandidatin nominiert.


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